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"Nimm mein Mixtape, Babe,
ich hoffe, dass es Dir gefällt.
Nimm mein Mixtape, Babe,
mit Liebe zusammengestellt."

- Olli Schulz & der Hund Marie, "Nimm mein Mixtape, Babe"


Ohne Musik geht absolut gar nichts...

Nimm mein Mixtape, Babe! Zwischen einem Haufen von CDs und Vinyls (das sind diese großen, schwarzen Scheiben mit dem kleinen Loch in der Mitte) sitzen, Zettel und Stift daneben. Ausprobierend, feilend, arrangierend, hoffend, flehend, frohlockend: Mixtapen ist eine Passion. Eine Lebeneinstellung. Es ist etwas anderes als ein "Ich hab dir hier mal eben schnell noch 'ne Best-Of gebrannt, zieh Dir die mal zwischendurch rein!" Es ist ein "Ich hab hier etwas für Dich. Ein Stück Herzblut!"
Man investiert Zeit und Energie, Leidenschaft. Man tut es für die guten Menschen und hofft (und weiß!), dass sie es zu schätzen wissen. Jeder Song ist da, wo er hingehört, jede Seite genau überdacht. Ein Mixtape ist ein Stück Freundschaft und Liebe, jenseits der Anonymität von MP3s, jenseits der Sterilität selbstgebrannter CDs.
Es beginnt beim Tape an und für sich und hört beim Cover noch lange nicht auf, denn auch das will gestaltet werden...verdammt, ich liebe es. Oder wie der Löner schon treffend erwähnte: "Mixtaping keeps me alive!"
Wahrscheinlich können dies nur Menschen nachvollziehen, für die Musik mehr als ein Produkt ist, mehr als die schlichte Abfolge von Tönen und Akkorden. Menschen, für die Musik Lebensinhalt ist. Aber die wissen es zu schätzen...

 
 

"Und ich hab alles aufgenommen, jeden Song bekommen,
massenhaft CDs gekauft, auf manchen war nur ein Hit drauf.
Nicht so schlimm, nicht so schlimm -
das Mixtape muss stimmen!"

- Olli Schulz & der Hund Marie, "Nimm mein Mixtape, Babe"


Nostalgie oder Nonsens?

Das Mixtape im MP3-Zeitalter.

Pro

Natürlich ist eine CD manchmal praktischer. Natürlich dauert es eine Weile, zu einem bestimmten Lied vor- und zurückzuspulen. Natürlich ist die Klangqualität einer CD besser. Doch wer auf all das Wert legt, hat eigentlich nicht so ganz begriffen, was die Seele eines Mixtapes ausmacht. Da sind die Kategorien „schnell, praktisch, beliebig“ nicht nur irrelevant, sondern beinahe verwerflich. Der wahre Freund des Mixtapes genießt das leise Rauschen, das an teure Vinylplatten erinnert, und das kurze Knacksen zwischen den Stücken, — entstanden durch die Hände des Aufnehmers am Rekorder, welche Nähe! — das die spannungsvolle Erwartung vor dem nächsten Song noch erhöht. Man denkt nicht daran, vorzuspulen. Die Lieder wurden schließlich mit Sorgfalt ausgewählt und in mühevoller Detailarbeit auf zwei dramaturgisch ausgereiften Seiten zusammengestellt. Ein Mixtape ist keine „Ach, das brenn ich Dir mal eben schnell“-Angelegenheit. Es ist das verschlüsselte Offenbaren intimer Gefühle, das Teilenwollen euphorischer Begeisterung, ein bisschen romantische Angeberei, das geschützte Anvertrauen kostbarer Erinnerungen, die zu erzählen banal wäre, die Erschaffung eines einzigartigen Albums aus Juwelen des erlesenen Musikgeschmacks, schließlich der Wunsch, zum Soundtrack des Lebens eines besonderen Menschen beizutragen.
Altmodisch? Sentimental? Vielleicht.
Das Mixtape ist die gemeinsame Sprache derer, die die Romantik der frühen Jugend noch in sich tragen, und die sich manchmal in genussvoller Sehnsucht daran erinnern wollen, dass schwärmerische Gefühle früher überwältigender waren.


Contra

Das romantisch verklärte Idealbild des wahren Musikliebhabers: Er windet sich vor seinem aufkleberübersäten Kassettenrekorder in Qualen: Welcher Song muss an welcher Stelle des Tapes stehen, um dem fragilen Kunstwerk gerecht werden zu können? Seit Wochen plant er die perfekte Kassette, hat für das Cover eine wahnsinnige Collage gebastelt. Lieder überspielt er von Vinyl, weil nur das Knistern der Plattennadel seinen hehren Absichten Ausdruck verleihen kann.
Die Wirklichkeit: Die Kassette rauscht. Die Kassette eiert. Die Kassette reißt. Die Lieder können nur unter Qualitätsverlust ins eigene Mixtape integriert werden. Schlimmstenfalls hat der Mixtape-Adressat keinen Kassettenrekorder und kann deshalb das mühsam auf Magnetband überspielte Herzblut nicht hören. Mixtapes sind die Steinkohle der Musik: Sie hatten ihre Zeit. Nur dank der rückwärtsgewandten Lobbyarbeit Nick Hornbys und seinen zahlreichen Epigonen ist es gelungen, das Dogma „Nur wenn es rauscht, ist es echt“ in die Köpfe zahlreicher Menschen zu installieren. Dabei gibt es kein einziges praktisches Argument für die Kassette. Leider beziehen Mixtapeverfechter genau daraus die Berechtigung sagen zu können: Musik ist nicht praktisch. Musik ist eine Lebenseinstellung. Aber warum muss die zwangsläufig von minderer Qualität sein?

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Ok, was soll ich sagen? Nick Hornby ist klasse!

 
     

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